
In zweiter, barrierefreier Version geht in diesen Tagen die Internetseite der Tecklenburger Land Tourismus e. V. online. Barrierefrei, weiß heißt das?
Untersuchungen sprechen davon, dass ca. 8% der Internetbenutzer eine echte Behinderung haben und ca. 20% stark eingeschränkt sind. Blinde, Gehörlose, Farbenblinde, Menschen mit Sehbehinderungen oder anderen körperlichen Einschränkungen sind auf alternative Techniken angewiesen, um das Internet nutzen zu können. Bei barrierefreien Seiten kommen hier dann Maus-, Tastatur- oder Sprachausgabe-Systeme zum Einsatz. Die moderne Internetgestaltung berücksichtigt diese Techniken und Systeme.
Internetseiten, die diese Entwicklung nicht berücksichtigen, sind für viele Menschen ein Problem und stellen eine Barriere dar. Barrieren sind zum Beispiel:
Auch das Layout einiger bunter Internetseiten stellt für manche Internetuser ein großes Problem dar; ein Beispiel wäre hier die Verwendung von Farben, die eine Rolle bei Farbblindheit spielen. Internetseiten, die diese Farben als Hintergrund oder für den Text verwenden, sind für farbenblinde User schlicht und ergreifend nicht sichtbar.
Ebenfalls eine große Rolle spielen die kognitiven Barrieren: Lange, ungegliederte Texte sind für Menschen mit Wahrnehmungs- Gedächtnis oder Lernproblemen nur schwer zu verfolgen und zu verstehen.
Auch die technischen Barrieren sind im Internet immer noch sehr verbreitet. Fast täglich stehen Meldungen von neuen so genannten Phishing-Attacken, Sicherheitslücken in Browsern, Würmer oder Viren in den Meldungen aus der Internetszene. Aus diesem Grund verzichten ein nicht unerheblicher Teil der Internetuser auf manche Funktion ihrer Internetbrowser, mit denen man dynamische/aktive Inhalte anzeigen oder kleine Programme/Skripte ausführen lassen kann. Moderne Browser bieten die Möglichkeit, diese Funktionen abzuschalten. Jedoch werden genau diese Funktionen von vielen, nicht barrierefrei erstellten Internetseiten vorausgesetzt, um überhaupt zu funktionieren.
Beispiel: Ausklapp-Menüs zur Navigation, die die Programmiersprache Java Script nutzen, ohne dabei eine alternative Navigation zu bieten. Für einen zweistelligen Prozentsatz der Internetuser ist diese Navigation nicht nutzbar.
In der "Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz" vom 17. Juli 2002 schreibt das Bundesinnenministerium allen Bundesbehörden vor, bis Ende des Jahres 2003 Informationsangebote auf ihren Internetseiten, die sich an behinderte Menschen richten, barrierefrei zu machen. Bis Ende 2005 müssen sämtliche Internet-Angebote der Bundesbehörden barrierefrei sein.
Der Tecklenburger Land Tourismus e. V. ist zwar keine Bundesbehörde, vollzieht diesen Schritt aber schon in diesem Jahr.
Barrierefreies Internet ist die Zukunft des Internets, weil es den Inhalt in den Vordergrund stellt - nach dem Motto: ''Information - für alle sichtbar''. Das ist momentan noch lange nicht selbstverständlich. Man muss sich nur mal vorstellen, es würden Straßen gebaut, die nur mit Autos einer bestimmten Breite, PS-Zahl oder speziellen Reifen befahren werden können. Undenkbar!
Die Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung (Rechtsverordnung BITV) ist ein dringend notwendiger Schritt, damit alle Benutzer vom Internetangebot profitieren können. Barrierefreie Programmierung und Gestaltung muss dabei auch nicht langweilig aussehen, denn für die Mediengestalter gibt es genug technische und grafische Möglichkeiten, die sich an die Vorgaben des W3C halten. Auf den Webseiten des W3C kann man seine Seiten auch auf Ergonomie und Benutzbarkeit hin testen lassen.
Barrierefreie Gestaltung optimiert Internetseiten - fast nebenbei - durch die korrekte Verwendung der Auszeichnungssprache XHTML für Suchmaschinen. Die Zeiten, wo man mit Hunderten von Stichworten im Quelltext bei Suchmaschinen punkten konnte, sind vorbei. Moderne Suchmaschinen setzen auf Benutzbarkeit und je sauberer eine Seite programmiert ist, desto erfolgreicher wird sie von Suchdiensten, wie Google, auch gefunden.
Geringere Ladezeiten, Kompatibilität für alle (auch für zukünftige) Browser und Sicherheit sind weitere Pluspunkte und runden die Liste der Vorteile für barrierefreies Internet ab.
April 2005, Stefan Grothus